Backcasting: „In umgekehrter Richtung zum Erfolg“ (Books4NiuBees) (German Edition) (in German)
Anger, Michael
Synopsis "Backcasting: „In umgekehrter Richtung zum Erfolg“ (Books4NiuBees) (German Edition) (in German)"
Eine Stadt im Jahr 2050 kann heute weder besichtigt noch vermessen werden. Dennoch lassen sich bereits Fragen an ihre zukünftige Energieversorgung stellen. Wie viel Energie wird sie benötigen? Welche Anlagen könnten diesen Bedarf decken? Welche Rolle spielen Speicher und die Verbindung zum Umland? Und was müsste lange vor dem Jahr 2050 geschehen, damit eine solche Versorgung überhaupt möglich wird? Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt dieses Buches. Sie führen von der Darstellung eines zukünftigen Zustands zu seinen Voraussetzungen. Dabei verändert sich die Richtung der Betrachtung: Wir fragen zunächst, wie eine zukünftige Stadt wissenschaftlich beschrieben werden kann. Anschließend untersuchen wir, welche Entwicklungen mit dieser Beschreibung vereinbar wären. Schließlich gehen wir vom Ziel zurück und bestimmen, was zuvor vorhanden, gebaut oder verändert worden sein müsste. Hier setzt Backcasting an. Die Schwierigkeit liegt weniger darin, ein überzeugendes Zukunftsbild zu entwerfen, als darin, seine Aussagen überprüfbar zu machen. Die Bezeichnung „energieneutrale Stadt“ klingt eindeutig. Bei genauerer Betrachtung bleiben jedoch wesentliche Fragen offen. Bezieht sich die Neutralität auf eine Jahresbilanz? Muss die Versorgung auch während einer mehrtägigen Unterbrechung der lokalen Erzeugung funktionieren? Welche Energiebezüge von außerhalb sind zulässig? Gehören die Herstellung der Anlagen und ihre späteren Ersatzinvestitionen zur Untersuchung? Jede Antwort verändert die Aufgabe und damit auch die möglichen Ergebnisse. Das Buch entwickelt deshalb schrittweise eine wissenschaftliche Grundlage für solche Untersuchungen. Seine zehn Kapitel bauen aufeinander auf. Am Anfang steht die Frage, wie etwas dargestellt werden kann, das noch nicht eingetreten ist. Daraus ergeben sich die Fragen nach der Wissensgrundlage, der Systemstruktur und den Regeln zeitlicher Veränderung. Erst auf dieser Grundlage werden Simulationen, präzise Zielzustände und rückwärts abgeleitete Voraussetzungen behandelt. Die abschließenden Kapitel verbinden diese Voraussetzungen mit der Gegenwart und untersuchen, wie stark die Ergebnisse von unsicheren Annahmen abhängen. Neurowissenschaftliche Forschung eröffnet dabei einen besonderen Zugang zur Entstehung von Zukunftsmodellen. Sie untersucht, wie vorhandene Wissenselemente verbunden, Beziehungen repräsentiert und mögliche Abläufe intern durchgespielt werden. Solche Befunde sind für die Ausgangsfrage des Buches relevant. Ihr technischer Nutzen für Backcasting muss jedoch gesondert begründet werden. Ein nachgewiesener neuronaler Vorgang liefert noch keine Bauzeit, keine Energiebilanz und keinen Beleg für die Überlegenheit eines Planungsverfahrens. Das Buch hält deshalb empirische Befunde, theoretische Erklärungen und methodische Übertragungen auseinander. Als durchgehendes Untersuchungsbeispiel dient eine synthetische Stadt mit dem Zieljahr 2050. Ihre Zahlen sind offengelegte Rechenannahmen. Dadurch können Zusammenhänge nachvollzogen, Varianten verglichen und Widersprüche gezielt untersucht werden. Das Beispiel soll verständlich machen, wie eine wissenschaftliche Untersuchung aufgebaut wird. Aussagen über die Versorgung einer konkreten Stadt würden zusätzlich geeignete lokale Daten und eine entsprechend erweiterte Modellierung verlangen.